Unser Angebot

Scabiosa canescens

Unser Angebot

Im Projekt WiVi-Klima arbeiten wir in einem Verbund aus fünf botanischen Gärten in ganz Deutschland an der Konzeption eines langfristigen Netzwerks, in dem der botanische Artenschutz in Zusammenarbeit von Bund, Ländern, botanischen Gärten und weiteren Akteuren neu aufgestellt werden soll, um die Wiederherstellung von Lebensräumen und den natürlichen Klimaschutz zusammenzuführen.

In unserer praktischen Arbeit geht es darum, Maßnahmen für seltene und gefährdete Arten sowie für ökologische Schlüsselarten (z. B. wichtige Nahrungspflanzen für Insekten), die noch nicht gefährdet sind bzw. auf der Vorwarnliste stehen, zu ergreifen. Ziel ist es, artenreiche und genetisch vielfältige Pflanzenbestände zu erhalten, da diese zentrale Funktionen für den natürlichen Klimaschutz übernehmen. Diese Maßnahmen sind ein wichtiger Baustein für die Erfüllung nationaler und internationaler Biodiversitätsziele und der Wiederherstellungsziele (WV-O).

Wir verbinden Maßnahmen zur Erhaltung der Vielfalt von Pflanzenarten vor Ort (In situ) mit solchen außerhalb des natürlichen Lebensraums (Ex situ). Wir sammeln Samen und Sporen der heimischen Wildpflanzen und bewahren sie in Saatgutbanken auf. Außerdem ziehen wir aus dem Saatgut Jungpflanzen an, die bei Bedarf wieder im Lebensraum ausgebracht werden können. Dadurch schützen wir die vorhandenen Bestände vor Ort oder wir bauen dort neue Populationen auf, wo die Art schon verschwunden war. Erhaltungskulturen in den Botanischen Gärten informieren über die Pflanzen und dienen manchen Arten als letztes Refugium, da sie in der Natur bereits ausgestorben sind. So sind sie auch für Naturschutzmaßnahmen und Forschungszwecke verfügbar.

Eine Möglichkeit, die genetische Vielfalt von Pflanzenarten zu sichern, ist die Lagerung von Samen und Sporen außerhalb des Lebensraums (Ex Situ). Das Saatgut wird in den Botanischen Gärten aufbereitet, getrocknet, geprüft und unter internationalen Standards aufbewahrt. Die Keimfähigkeit von Samen und Sporen kann bei Temperaturen zwischen -18 °C und -24 °C je nach Art über viele Jahrzehnte aufrechterhalten werden. Das Wildpflanzensaatgut unserer Saatgutbanken steht nun für Forschungs- und Naturschutzzwecke zur Verfügung.

Eine Qualitätsprüfung des Saatguts ist in Saatgutbanken unerlässlich. Da die Anzahl lebensfähiger Samen sowie deren Lebensfähigkeit nicht nur von Art zu Art, sondern auch saisonal und regional sehr unterschiedlich ist, ist es sinnvoll, jede einzelne Saatgutsammlung nach verschiedenen Qualitätskriterien zu untersuchen. Hier werden auch naturschutzgenetische Analysen mit einbezogen. Im Hinblick auf das Anlegen von Erhaltungskulturen bzw. das Durchführen von Ansiedlungsmaßnahmen ist die Kenntnis der optimalen Keimungsbedingungen essenziell.

Unsere praktischen Umsetzungsmaßnahmen für den botanischen Artenschutz werden von bedarfsorientierten Beratungs- und Fortbildungsangeboten ergänzt, die innerhalb der nächsten Jahre entwickelt werden.

Aufbauend auf Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen sind Ansiedlungen gefährdeter Wildpflanzenarten in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden wichtige Artenschutzmaßnahmen. Je nach Art und deren Biologie kann es sinnvoll sein, Restpopulationen zu stärken oder ausgestorbene Vorkommen wieder zu etablieren. Ansiedlungen auf neuen Flächen können isolierte Populationen miteinander verbinden und das Risiko des Aussterbens in der Fläche verringern. Unabdingbare Voraussetzungen für erfolgreiche Ansiedlungsmaßnahmen sind eine sorgfältige Planung sowie die langfristige Gewährleistung einer auf die vorhandene Lebensgemeinschaft und die jeweilige Zielart abgestimmten Biotoppflege.

In botanischen Gärten werden Erhaltungskulturen von ausgewählten Wildpflanzenarten angelegt. Sie sind wie die Saatgutbanken eine Sicherungsmaßnahme zur Bewahrung von gefährdeten Pflanzenarten außerhalb ihres natürlichen Standortes (Ex Situ) und dienen zur Produktion von Jungpflanzen und Saatgut. Die Anlage und Pflege solcher Kulturen bedarf besonderer Achtsamkeit und genauer Kenntnisse der Biologie der Arten (Standortansprüche, Bestäubungstyp, Lebensdauer). Einkreuzungen fremder Populationen oder Arten und andere schleichende genetische Veränderungen wie Anpassungen an den Standort „Garten“ gilt es zu verhindern. Nur dann können die Pflanzen wieder unter natürlichen Bedingungen am Wildstandort etabliert werden.

Wer wir sind

Die Verbundpartner im Projekt Wildpflanzen retten: Vielfalt erhalten, Klima schützen (WiVi-Klima) nehmen sich dieser Aufgaben im botanischen Artenschutz an. WiVi-Klima schließt sich an die im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Vorgängerprojekte Wildpflanzenschutz Deutschland (WIPs-De) I und II an. Weitere Informationen über die botanischen Gärten im Projekt, Ansprechpartner vor Ort und unsere Angebote gibt es hier.

Bildquellen

  • Scabiosa canescens im Botanischen Garten Mainz: F. Hahn